Im Vorprogramm spielte Frau Steiner aus Hamburg. Hardrock auf Deutsch, mit eigener Musik und eigenen Texten. Wechselnde Leadparts an den Gitarren. Vernünftige Musik für unvernünftige Leute. Das Line-up: Markus (Gesang), Lars “Hopper” (Gitarre), Sebastian (Gitarre), Dirk “Harald” (Bass), Tommy (Drums) und alle mit demselben Nachnamen: Steiner!? Musikalischer Spaß ans und mit dem Publikum.
Ein Auftritt voller Überraschungen: Kraftvoller Rock – mit Wurzeln, die in der Erde des Blues Nahrung finden. Die Band Tracer aus Adelaide, Australien, spielte fünf Gigs in Europa (drei in Holland, einen in der Schweiz). Einer fand in Deutschland statt, und den hatte sich Christian Kahl über das Booking von Cora North ins Sounds nach Lübeck geholt.
Dieses junge australische Trio schoss reihenweise spieltechnisches Feuerwerk ins Odeon an der Untertrave. Die zwei Brüder, Michael Brown (Gesang & Gitarre) und Leigh Brown (Gesang & Bass) finden in Andre Wise am Schlagzeug einen Handwerker, der nicht nur vom Äußerlichen an Led Zeps legendären John Bonham erinnert. Tracer bedient das Genre musikalisch gehaltvoll und ist auf der Bühne äußerst aktiv. Leigh Brown setzte tönende Tätigkeit in Bewegung und schickte die Basslines zu seinem Drummer – beide passten den Rhythmus ans Publikum weiter – frenetischer Jubel und vom Publikum ein Steilpass an die Band zurück.
Allen voran Michael Brown, der seine Stimme einerseits weichherzig und gefühlvoll bei den langsameren Stücken einsetzt und andererseits, bei den dynamisch treibenden Rocksongs schwingen die Stimmbänder rau und klingen scharf geschnitten. Hammerharte Licks, die Soli sehr sauber intoniert, beispielsweise im Hendrix-Klassiker Hey Joe. Tracers Interpretation steigert sich langsam, baut auf durchdringende Spannung und endet in einem ganz bemerkenswerten „Presto incredibile“.
Wäre es das gewesen, hätte sich Rockland zufrieden schlafen gelegt. Doch der Song So Afraid Of The Darkness, ein Cover von Walter Trout (seit vielen Jahren im Olymp des Bluesrock zu Hause) war der absolute Gipfel an diesem Abend. Mit reichlich Druck rockte Michael die frischen und harten Riffs, den Song und sich selbst mit wuchtigem Pathos ins Audience. Man hat lange nicht mehr gesehen, dass ein Gitarrist die Gitarre minutenlang hinter dem Kopf spielt, die Töne hart und sauber trifft. Dessen nicht genug – Andre Wise steht vom Schlagzeug auf, dreht dem Publikum den Hintern zu, schlägt die Felle sicher hinterm Rücken und tut es seinem Frontmann gleich. Tobender Club!
Einen Song gab es noch: Mitten im Publikum stehend semmelte Michael Brown den Leuten mächtig die Hooks um die Ohren, fuhr mit ‘ner Flasche Becks über den Gitarrenhals und brachte slidend die Saiten zum Röhren – von den Luftgitarren mancher Gäste in bester Rockmanier begleitet. Hungrig nach Musik und Leben, kam diese Performance ohne großartige technische Bühneneffekte aus – die Überraschung kam über die Musik und die Präsenz der Band. So phänomenal kann ein Live-Konzert in einem Club sein.
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